Pressespiegel

21.02.10

Malediva: Streiten, wenn die Gäste weg sind

Malediva


Münster
- Ein Mann und eine Frau auf einem Sofa. Starrer Blick in Richtung Fernseher. Bildunterschrift: „Und sowas nennt sich wilde Ehe.“ Über diese Karikatur lachten „Alternative“ vor 20 Jahren. Heute sorgt die Kabarettgruppe „Malediva“ dafür, dass sich Heteros ein klein wenig schadenfroh daran erfreuen können, weil es in der gleichgeschlechtlichen Ehe auch nicht wilder zugeht.


Wurde im Programm „Ungeschminkt“ feierlich geheiratet, so sind die beiden Protagonisten Lo Malinke und Tetta Müller im Stück „Die fetten Jahre“ bereits im Alltag angekommen. Auf der Bühne ein Tisch, neun Gedecke weisen darauf hin: es werden Gäste erwartet. Pianist Florian Ludewig eröffnet beschwingt mit einem Boogie-Woogie, und singend legen Malinke und Müller Inhalt und Tonfall fest. Der eine freut sich darauf, endlich wieder in der Gesellschaft von Freunden seine Kochkunst beweisen zu können, der andere lästert über „Fremde Leute in deiner Wohnung“ (Songtitel). Die meckern ja doch nur über alles und machen viel Dreck. „Es gibt Orte, an denen andere kochen - Restaurant nennt sich das“, mault Tetta Müller. „Wir zeigen uns einen Abend lang von unserer besten Seite, und erst wenn die Gäste gegangen sind, werden wir fortfahren uns zu streiten“, erwidert Lo Malinke.

Es bleibt beim guten Vorsatz. Noch eine Stunde, bis die sieben Gäste kommen, um 18 Kaninchen zu verputzen. Zeit genug, um sich ausgiebig anzuzicken, die großen und kleinen Macken der geladenen Gäste durchzuhecheln und festzustellen, dass auch Tettas Mutter aus Versehen eingeladen wurde. Die „glaubt nicht ans Schwulsein“ und hält die Freunde des Pärchens sowieso alle für alt und spießig.

Als ein weiterer Diskurs die Tatsache aufdeckt, dass beide Teile eines seit kurzem getrennten und verfeindeten Lesbenpärchens angekündigt sind, kennt die Fantasie über zu befürchtende Katastrophen kaum noch Grenzen.

Mit überschäumender Spiellaune präsentierten „Malediva“ im „Kreativ-Haus“ ihre kabarettistische Boulevardkomödie. Kunstvoll geschmückt mit einem Duzend feiner Popsongs und Balladen, nahm das Stück die Zuschauer mit auf eine Wanderung durch die Höhen und Tiefen der Gefühlswelt eines sich offensichtlich liebenden Paares. Was zunächst wirkt wie ein heimlicher Blick durchs Schlüsselloch, hinein in eine sagenumwobene, fremde Welt, entpuppt sich zusehend als eine Begegnung mit dem Spiegelbild der unberechenbaren Idylle am heimischen Esstisch. Die Liedzeile „Das Glück der schwulen Pärchen ist ein weit verbreitetes Märchen“ desillusioniert noch den letzten Zuschauer, der sich eine Schwulenehe eventuell vorgestellt hat wie eine ganztägige Travestieshow. Das Publikum bedankt sich für so viel Glaubwürdigkeit und geistreichen Humor mit stehenden Ovationen.

VON GEROLD MARIUS GLAJCH(WN, 21.02.2010)


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