Pressespiegel

13.02.12

Der Wackeldackel geht in den Untergrund



MÜNSTER -
Frederic Hormuth begleitete mit „Charaktersau sucht Trüffelschwein“ im Kreativhaus den Homo Sapiens auf seinem Goldsucher-Trip nach dem Glück mit elegantem Sprachwitz.
Es gibt Existenzen, deren Dasein einer immerwährenden Enttäuschung ausgesetzt ist. Ihr Glück besteht darin, ihre Enttäuschungen akzeptiert zu haben. Ein solches Schicksal erduldet das Trüffelschwein mit stoischer Leidenschaft. Im Dienste des Menschen sucht es treu nach dem Edelpilz, auch im instinktiven Eigeninteresse: weil dessen Geruch dem Sexduftstoff des Ebers ähnelt. Im entscheidenden Moment aber, Sekunden vor dem Trüffelverzehr, wird das tapfere Tier mit einem Maiskolben abgespeist – das Trüffelschwein ist am Ende also immer eine arme Sau. Auch der Mensch sucht unerschütterlich sein Glück. Frederic Hormuth begleitete mit „Charaktersau sucht Trüffelschwein“ im Kreativhaus den Homo Sapiens auf seinem Goldsucher-Trip mit elegantem Sprachwitz.

Trüffelschweine für die Ehe

Jeder Mensch brauche sein Trüffelschwein, da ist sich der Kabarettist und Musiker sicher. Das gälte für die Ehe („Ich lasse alles liegen – du räumst alles weg“) wie für Politiker („Wulff hält sich für beliebt, weil ihm ständig einer was schenkt“). Der Mensch schätze die Symbiose: „Wie bei Asterix und Obelix: pfiffig und kräftig!“ Mit einem Hechtsprung landet Hormuth in tiefster Meeresbiologie bei den Furchenquallen, von Kurzschwanzkrebsen auf ihrem Rücken zu Nahrungsquellen gelenkt: „Wie bei Merz, Koch, Guttenberg und Wulff auf Merkel.“ Von da aus geht es zu den Bankern, von Politikern zu Weltenlenkern inthronisiert, zu Design-Architekten, die für Event-Schnick-Schnack und neue Glücksboulevards historische Stadtviertel planieren. Man lebe jetzt in der „kapitalzentrierten Arschloch-Demokratie“, donnert Hormuth mit Wotanbass.

Der Song der Wutbürger

„Wir sind alle Suchende“, hatte Hormuth als Maxime formuliert und seinen „Wutbürger“-Song hinterher gefeuert: „Mein Wackeldackel geht jetzt in den Untergrund“. Hormuth weiß um die Reichweite des braven Bürgers: anders als der Bundespräsident wird er wohl nicht als Schützenkönig der Schnäppchen in die Geschichte eingehen.
Auch Maschmeyer und seine Drückerkolonnen geraten zielsicher ins Fadenkreuz, die TV-Diva Veronica Ferres gleich mit. Hormuths Stoßseufzer „Was sind das bloß für Leute?“ ist skeptische Lakonie: Wo selbst bei der Kanzlerin sich „die demokratische Libido aufgelöst hat“, ist auf Trüffel nicht mehr zu hoffen. Deutschland – eine arme Sau! Begeisterter Beifall!

von Günter Moseler (MZ, 31.02.2012)


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